Reizüberflutung bei Hochsensibilität

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So schön die Frühlingszeit auch ist, für hochsensible Menschen kann sie sehr reizüberflutend sein. Nach der langen, dunklen Jahreszeit, in der alles ein wenig ruhiger scheint und schläft, ist im Frühling plötzlich alles anders: intensiver, lauter, heller, bewegter und duftender.

Überall sprießt und gedeiht das pralle Leben im Frühling!

Es ist wunderschön und wir haben uns schon darauf gefreut, das alles lebt, gedeiht, sich bewegt und sich Ausdruck verleiht. Aber manchen Hochsensiblen geht es einfach ein bisschen zu schnell. Sie fühlen sich erschöpft, körperlich müde und haben das Gefühl, überrollt zu werden von der emporschießenden Kraft des Lebens. Durch die hohe Verarbeitung aller Eindrücke brauchen sie einfach ein bisschen länger, um sich mit dem Jahreszeitenwechsel wohlzufühlen.

Wenn du in dieser Zeit der Umstellung also nicht ganz besonders gut auf deine Bedürfnisse hörst, kommt es viel schneller zu einer Überstimulation.

Verschiedene Eindrücke für Geist, Körper, Seele
• WÄRME
Es gibt starke Temperaturschwankungen, und es wird zunehmend wärmer. Daher ist dein hochempfindsame Körper ständig damit beschäftigt, den kleinen Spielraum der Wohlfühltemperatur auszubalancieren, sodass du nicht entweder zu warm oder zu kalt empfindest. Das kann schnell erschöpfen.
• GERUCH
Blumen beginnen zu blühen, Bäume knospen und sprießen, überall riecht es viel deutlicher. Viele Gerüche dringen in die Nase durch geöffnete Fenster und Menschen essen vermehrt im Freien. Aber auch verschiedene Körpergerüche, die im Winter durch dicke Jacken verdeckt waren, können für geruchsempfindliche HSP zu einer Reizüberflutung beitragen. Für etliche Menschen beginnt auch die Allergie-Saison, was eine zusätzliche Belastung darstellt.
• LICHT
Deine Augen nehmen viel mehr Licht auf, da die Tage länger werden. Somit wird die Hormonproduktion (Serotonin / Melatonin) umgestellt. Hochsensible können sich rascher geblendet fühlen von grellem Licht. Sie merken, dass sie erschöpfter sind, obwohl sie sich doch durch die Sonne wieder mehr Energie und Antriebskraft wünschen.
• DETAILS
Im Frühjahr erwachenden alle Insekten, viel, viel kleiner als Ameisen werden von hochsensiblen Menschen genau wahrgenommen.
Es krabbelt, schwirrt und bewegt sich allerorts. Mit gewaltiger Lebenskraft sprießt die Natur, sodass es durchaus auch erschrecken kann, wenn alles zu schnell erwacht.
• GERÄUSCH
Das Leben ist laut, es lebt. Je mehr Menschen wieder draußen sind, desto mehr Geräusche gibt es. Nun ist wieder die Saison der Motorräder, ebenso wie jene der Rasenmäher. Du öffnest die Fenster: zuhause, in der Arbeit, im Auto, in der U-Bahn. Dadurch dringt allerdings noch mehr Lärm zu dir.
Auch die Natur erwacht: Vogelgezwitscher ist etwas sehr angenehmes! Doch auch wenn natürliche Geräusche seltener bzw. langsamer zu Überstimulation führen, kannst du dich durch den stetigen Geräuschpegel überreizt fühlen.
• HAUT
Es kann für manche hochsensitive Menschen eine Umstellung sein, wieder mehr Haut zu zeigen.
Kleidung hat eine Schutzfunktion, und manche fühlen sich in der beginnenden wärmeren Zeit ungeschützter mit nackter Haut auf Armen oder Beinen. Die Haut ist Kontakt zur Außenwelt und stellt unsere Grenze zwischen innen und außen dar.
Auch das Empfinden von Wind auf nackter Haut und Berührung stellen zusätzliche Reize dar.
• BEWEGUNG
Ständig wechselnde Licht / Schatten – Eindrücke können stark reizen. Zum Beispiel, wenn du mit dem Rad eine Baumallee entlangfährst. Oder mit dem Auto in der Stadt. Immer ist hinter einem Baum/Haus Schatten und dazwischen Sonne. Dieser schnelle Wechsel der Lichtreflexe kann rasch ermüden.
• FARBEN
Die intensive Wahrnehmung lässt viele hochsensible Menschen all die Farben der bunten Frühlingszeit sehr stark aufnehmen. Auch wenn es großartig ist, all diese Feinheiten zu entdecken, die manch Andere gar nicht bemerken, kann die differenzierte Wahrnehmung auch anstrengend sein.
• MEHR MENSCHEN
Je wärmer es wird, desto mehr Menschen sind draußen auf den Straßen unterwegs. Vollere Straßen, frequentierte Parkanlagen, offene Fenster, aus denen Musik tönt, verschiedenstes Stimmengewirr, gefüllte Gärten vor Cafés und unterschiedlichste Stimmungen von anderen Menschen, die Hochsensible wahrnehmen, sind eine Herausforderung. Dass das Leben wieder draußen stattfindet, bedeutet für HSP eine große Umstellung.

In welchem Ausmaß welche Reize überstimulierend wirken, ist natürlich sehr individuell.
Auch für sehr empfindsame Menschen ist die Reizschwelle je nach Tagesverfassung unterschiedlich.

Verarbeitung der Reize

Ein wunderschöner Sonnentag mit einem netten Gespräch im Gastgarten kann auch zu viel des Guten werden: du nimmst die Gespräche der anderen um dich wahr. Spürst ständig eine vom Wind bewegte Haarsträhne. Wirst vom Licht geblendet. Ein Hund bellt. Merkst zunehmende Wärme auf deiner Haut und in deinem Kopf. Du riechst Blumen, Zigarettenrauch, Parfum und Speisen. Du fragst dich, wieso der Herr vier Tische weiter so traurig ist und erschreckst vielleicht beim Hupen eines Autos. Konzentrierst dich auf dein womöglich emotionales Gespräch. Dein Handy blinkt. Du schmeckst deinen Kaffee. Verscheuchst eine surrende Fliege. All das GLEICHZEITIG.
Deine hochsensitive Wahrnehmung nimmt sehr viel gleichzeitig auf und filtert kaum. Und dein Nervensystem muss all die Flut an Reizen verarbeiten.

Sei deshalb verständnisvoll zu dir, wenn du dich rasch ermüdet fühlst.
Der einfachste Tipp für Akutsituationen: sofort Wasser trinken! Das ist ein relativ neutraler Reiz für deinen Organismus und hilft dir, Stress zu lösen.

Bei Reizüberflutung deine Balance finden
Es ist so wichtig, spüren zu lernen, wann du genug hast:

Lerne, deine Bedürfnisse ernst nehmen und vor allem dann auch danach zu handeln. Es ist völlig okay, dich beispielsweise früher als geplant vom Treffen zu verabschieden und dir Ruhe zu gönnen. Schaffe Reizminderung für deine Sinne.
Denk dir nicht „Ach, das halt ich jetzt auch noch aus“. Das nicht nämlich nicht liebevoll zu dir. So passiert es auch eher, dass du spätestens am Ende des Tages völlig überreizt, überstimuliert, erschöpft bist und viel länger zur Regeneration brauchst.

Für deine hochsensiblen Sinne kann es eine herausfordernde Zeit sein. Aber deswegen musst du dich weder komplett zurückziehen und abzuschotten, noch alles aushalten.
Sorge achtsam ausgewogen für dich.

Es ist nicht nötig, ständig gleichzeitig mit einer dunklen Sonnenbrille, Stöpsel in den Ohren, einer Jacke, Taschentüchern und einem Hut gehetzt durch die Öffentlichkeit rasen um schnell wieder in deiner Schutzzone zuhause anzukommen. Schließlich willst du ja auch das sprießende Leben spüren und daran teilhaben können. Unbeschwert sein.

Aber gönne deinen Sinnen auch bewusst PAUSEN!
Schaffe dir Momente der Achtsamkeit und beschäftige deine Wahrnehmung nicht ständig noch zusätzlich mit Eindrücken.

Du kannst zum Beispiel einmal Ohrstöpsel verwenden, ohne Musik, bloß um alles mal ein bisschen leiser zu haben, um in Balance zu kommen. Oder einfach mal zwischendurch die Augen schließen; deine Haut in ein schützendes Tuch hüllen. Dich auf deinen Atem konzentrieren und ihn in dir beobachten, statt aufs Handy zu starren. Und dir vor allem immer wieder Ruhezeiten nehmen!
Ruhe ist so wichtig, da ständige Überstimulation enormen Stress für den Organismus bedeutet.
„Endlich ist es so schön draußen, da muss ich ja raus gehen und genießen“. – Hör nicht auf deine inneren Antreiber-Stimmen. Du musst nämlich nicht ständig draußen genießen. Müssen und genießen schließen einander ja aus.

Du kannst dir erlauben, dich in deiner Geschwindigkeit inmitten der zusätzlichen Reize zu bewegen. Deine Toleranzgrenze für innere und äußere Reize kann jeden Tag anders sein. Daher ist es ein stetiges Ausbalancieren, um Reizüberflutung vorzubeugen.

Bleib in Kontakt mit dir und spüre immer wieder achtsam hin, bevor es dir zu viel wird! So passiert es nicht so schnell, dass du überstimuliert bist.

Und vor allem gehst du mitfühlender mit dir um. So kannst du die Frühlingszeit in deinem Tempo, auf deine Art genießen!

Autorin: Iris Lasta | Psychologische Beraterin

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